Egal, was die Experten sagen: „Ich werde gesund!“ Mythos Selbstheilungskräfte ?

„Ich muss Ihnen leider sagen, dass Sie ernsthaft krank sind. … Wir Ärzte tun unser Möglichstes, Ihnen zu helfen. Sie können auch Einiges dazu tun, dass Sie wieder gesund werden, und der Rest liegt in Gottes Hand.“ Hier geht es um eine schwere Krebserkrankung, die der Arzt dem Patienten mitteilt. Er hat entscheidende Faktoren super auf den Punkt gebracht. Die Medizinischen Möglichkeiten. Die Einflussvariablen der Persönlichkeit des Patienten. Und der Dinge, die wir einfach nicht greifen können, wenn es zum Beispiel um Spontan- oder Wunderheilungen geht. Vielleicht aufgrund von starkem Glauben und Gebeten. Es ist mit dieser Arztaussage alles offen, Hoffnung und Vertrauen sind möglich. (Auch wenn er leider, wohl wegen ihrer Umstrittenheit, die alternativen Möglichkeiten ausgelassen hat in dieser Aufzählung und ebenso die Rolle des stützenden stärkenden Umfelds).

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Ich weiss, wie wichtig Zuversicht, Vertrauen, Optimismus etc. sind. Ich halte demnächst am 5.7.17  zu dem Thema Resilienz und Bewältigung schwerer Krankheiten einen Vortrag in Sigmaringen. Ich kenne das Thema schwerer, schwieriger Krankheitsbilder persönlich gut. Und ich befasse mich ständig beruflich mit ziemlich herausfordernden Lebenslagen und ihrer Bewältigung sowie dem Thema Resilienz  in einer Klinik und meiner Praxis. Bei meinen Klienten geht es eher um stressbedingte, psychische Erschöpfung und Erkrankungen. Aber grundsätzlich spielen bei allen Arten von Erkrankungen dermassen viele Faktoren eine Rolle, die einfach in ihrer Bedeutung immer noch unterschätzt werden und ganz häufig noch nicht im „allgemeinen Volksdenken“ angekommen sind. Viele neue Erkenntnisse und alternative Möglichkeiten bekommen ebenfalls leider noch zu wenig die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt.

Heute will ich Dir einen kleinen Einblick bieten, was Du selbst zu Deiner Genesung beitragen kannst.

Mit welchen Anteilen kannst Du selbst etwas beitragen zu Deiner Heilung?

Höre auf Dein Herz. Du wirst von allen Seiten wahrscheinlich bombardiert mit (gutgemeinten) Tips, Empfehlungen etc.. Du bist Dein eigener Experte. Geh DEINEN Weg. Mache den ersten Schritt.

love-686643_1920Resilienz ist keine positiv schönfärbende rosa Brille, die schwierige Dinge verharmlost, schönfärbt, negiert. Mit einem pauschalen positiven Denken bzw. der positiven Psychologie sollte man bei Anwendung auf das Thema  sehr schwerer Erkrankungen ebenso vorsichtig sein. Es gibt immer wieder „Wunderheilungen“, habe ich selbst erlebt. Aber es gibt bei bestimmten Krankheitsbildern keine Sicherheit, wieder gesund zu werden. Wer sich täglich die Affirmation „Ich werde wieder gesund, auch wenn mir die Ärzte keine Überlebenschance geben“ gibt, hat wahrscheinlich öfter das Problem, innerlich ein wenig daran zu zweifeln? Vor allem, wenn es Rückschläge gibt? Es gibt immer wieder Fälle, die es tatsächlich schaffen (siehe „Weissbuch Heilung“, weiter unten). Aber realistischer, sicher gewinnbringender und irgendwie weniger mit Zweifeln behaftet wäre doch vielleicht die Affirmation, „Ich kann wieder gesund werden“.
Oder?
Auf jeden Fall ist es für die Lebenszufriedenheit, das Lebensgefühl von Vorteil, zu hoffen und zu vertrauen. Dass alles gut wird. EGAL, was geschieht. Unabhängig davon, wie lange man (noch) leben darf. Ich muss ehrlich sagen, ich habe mehrere Jahre in Krankenhäusern oder ambulant mit schwer oder chronisch Kranken gearbeitet und  bewundere manche Menschen mit medizinisch niederschmetternden Prognosen, die monatelang nichts anderes als ihre Krankenhauswände sahen und es trotzdem eines Tages schafften, diese Wände geheilt zu verlassen. Ich denke aber auch erschüttert an Beispiele, wo Menschen aus innerer Selbstaufgabe entsetzlich schnell starben (ohne ursächliche todbringende Erkrankung)…
Ich höre derzeit von Dr. Lissa Rankin „Mind over Medicine – Warum Gedanken oft stärker sind als Medizin…wissenschaftliche Beweise für Selbstheilungskraft“. Lissa Rankin beschäftigte sich durch mehrere Schicksalsschläge nach einer klassischen schulmedizinischen Laufbahn mit dem Einfluss unserer Gedanken auf unsere Selbstheilungskräfte. Ich kannte schon einige Studien, aber diese hier erwähnten Studien verblüffen auch mich teilweise. Phänomenal. Das bestärkt mich in meiner Arbeitsweise und ganzheitlichen Sichtweise der Themen meiner Klienten.
Ein geniales Beispiel ist für mich der Physiker Stephen Hawking. Es ist unglaublich, wie lange er mit seiner ALS-Erkrankung und massiven Einschränkungen schon lebt und welche bahnbrechenden wissenschaftlichen Beiträge er in seiner Lebenszeit erbringen konnte.
Lasse Dir ALLES offen. Glaube, hoffe, vertraue, bete, handle. Und suche Dir Unterstützer, die mit Dir hoffen, beten, Dir helfen etc..girl-15599_1920
Hast Du Dir schon einmal überlegt, welche positiven Neben-Effekte Dir Deine Erkrankung bringt/gebracht hat? Findest Du sogar Grund zur Dankbarkeit?
Kämpfe nicht gegen Deine Symptome/Krankheit. Sondern tue etwas für Deine Gesundung oder wenigstens für eine möglichst gute Lebens-Zeit.
Vielleicht geniesst Du ein Entspannungsverfahren?  Es gibt immer mehr Studien, welche gravierenden negativen Folgen Stress, egal ob körperlich und/oder traumatisch, z.B. auf Herz-Kreislauf, Blutdruck, das Immunsystem hat… Es gibt für die „ewig Zweifelnden“ auch immer mehr Möglichkeiten, durch diverse stressmedizinische Messungen die körperlichen Auswirkungen von Stress nachzuweisen… Die schon erwähnte Lissa Ranklin vertritt genau wie ich in meiner Arbeit die These: Die Selbstheilungskräfte des Körpers können nur in entspanntem Zustand optimal arbeiten.
Worauf hast Du Deinen  Fokus?  Sammele tagsüber alles Schöne, was Dir begegnet und erfreue Dich bewusst daran.
16114958_1553733547973390_515157891903188806_nWelche Erwartungen hast Du?
Wusstest Du, dass man kann die Erwartungshaltung gegenüber Plazebos als neurochemische Reaktion im Gehirn und Körper nachweisen kann?
Hast Du Dir überlegt, wofür es sich lohnt, weiterzumachen, nicht aufzugeben?
Kannst Du Dir vorstellen, Deine Ernährung und/oder Bewegung, Deine Lebensweise gesünder zu gestalten?
Manche neuen Klienten schauen mich erst irritiert an, wenn sie mir erzählen, was sie bei mir „loswerden“ wollen und ich sage, dass sie gedanklich anders mit ihrer Problematik umgehen könnten. Sie nicht ablehnen, sondern (neu) integrieren. SICH zuerst einmal selbst in der momentanen Verfassung akzeptieren.
Körperlich und seelisch alles neu einsortieren und auf eine gesündere stabilere Basis stellen.
Dann etwas verändern.
Das Gute an der Neuroplastizität unseres Gehirns ist, dass der Spruch widerlegt wurde, “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.
Es kann jeder an seinen Herausforderungen wachsen, um- lernen, Resilienz erwerben, seinen Weg finden.

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Jeder KANN… Aber manchmal ist der Zeitpunkt der Falsche

Wenn Du derzeit (noch) unter Schock von einem Erlebnis stehst, noch gar nicht zur Ruhe gekommen bist wegen Deiner Lebenssituation, dann erwarte von Dir einfach erstmal… NICHTS. Entscheide, soweit möglich, erstmal nichts. Damit Du erstmal Abstand gewinnen und Dich auf das, was vielleicht zu tun und zu er- oder durchleben ist, einstellen und neu orientieren kannst. Manches, sicher schmerzhaft, loslassen kannst. Ich wünsche Dir, dass Du Dir diese Zeit nehmen kannst. Es Dir selbst erlaubst oder Dir erlaubt wird.
Und es ist leider auch wahr…. Manchmal scheinen unsere Möglichkeiten der Einflussnahme begrenzt oder minimal.
Vielleicht hilft an dieser Stelle zur Erinnerung auch nochmal meine ACT-Anleitung für unveränderbare Situationen ?

Wenn Du noch mehr zu dem Thema und weiteren hilfreichen Faktoren von mir erfahren möchtest, besuche doch gern meinen Vortrag „Die Herausforderung der Krankheit annehmen – Resilienz und ein besseres Lebensgefühl entwickeln“, der am 5.7.2017 in der Krebsberatungsstelle Sigmaringen stattfindet und am 11.10. 2017 in der SRH-Klinik Bad Saulgau.Klicke hier
20170424_112232_012_01Als Literatur zu dem Thema empfehle ich Dir das schon erwähnte Buch von Dr. Lissa Rankin „Mind over Medicine“ und von Medizinjournalist Kurt Langbein „Weissbuch Heilung – wenn die moderne Medizin nichts mehr tun kann“ sowie von der Psychiaterin Eva Kalbheim „Resilienz für Dummies“.

Ich freue mich, Dich bei meinem Vortrag, bei einem kostenlosen Kennenlerntelefonat oder vielleicht auf meinem Entspannungsseminar zur Unterstützung der Selbstheilung in der Krebsberatungsstelle oder meiner Weiterbildung für Fachkräfte (Frühbucherbonus läuft nur noch bis 16.06.2017) kennenzulernen.
An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal entschuldigen, dass ich nur noch in größeren Abständen Blogartikel schreiben kann, da ich in Klinik und Praxis ausgelastet bin und immer mehr Vorträge und Seminare halte. Ich hoffe, Du hast dafür Verständnis und bleibst mir trotzdem als treuer Leser erhalten. Ich danke Dir für Deine Geduld.
Namaste.
Deine Judith Becherle

Fotos: pixabay
und privat mit der Leiterin der Krebsberatungsstelle Sigmaringen Annette Hegestweiler

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