(M)eine persönliche Strategie für Resilienz

Das Thema Resilienz interessiert eine große Bandbreite an Menschen. Warum? Soziologe Hildenbrand sagt,

„Krisen im Leben sind nicht die Ausnahme, sondern eher der Normalfall“.

Schwere Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Tod des Partners oder Kindes etc…. es gibt eine enorme Bandbreite an einschneidenden Erlebnissen, die auch den Stärksten niederschmettern können… Die Frage ist nicht, Was uns umwirft, sondern, wie wir damit umgehen.

Schaffen wir es, das Beste daraus zu machen, die Herausforderung anzunehmen?

Wenn mich das Leben umhaut, dann...

Ich halte Vorträge zu Resilienz und mentaler Stärke, weil ich von mir persönlich und von meinen Klienten weiss, wie das Leben einen umschmettern kann. Ich bin nicht gerade „verhätschelt“ worden und habe früh gelernt,  die Zähne zusammenzubeissen. Stark zu sein.  Was gar nicht so einfach war. Mein Körper hat z.B. bei Trennungen von Partnern ziemlich schlapp gemacht. Die verdrängten psychischen Konflikte zeigten sich radikal. Ich bekam massive Infekte, die sogar Intensivstation erforderlich machten, oder einen Ausschlag, wegen dem ich angeblich mein Leben lang so massive Immunsuppressiva bekommen sollte, dass ich aufgrund erforderlicher Dialyse  berufsunfähig geworden wäre oder so massive Bandscheibenbeschwerden und eingeklemmten Nerv, dass ich schon im Rollstuhl zu Spritzen geschoben werden musste. Ich konnte mich nicht mehr bücken und nur noch minimal wie im Schraubstock bewegen…. Wer es damals mitbekam und mich heute sieht, wundert sich. Kann es sich nicht vorstellen. Und wundert sich, warum ich inzwischen auch alleinerziehend mein Leben geniessen kann (bis der „Passende“ Partner erscheint :-)…).

Und das sind sowieso nur die eher „harmlosen“ Dinge, die mir passiert sind…. Warum schreibe ich das?

Ich habe letzte Woche meinen ersten Vortrag zu Resilienz (psychische Widerstandskraft zur Bewältigung von Lebenskrisen) gehalten. (Der nächste interaktive Vortrag ist übrigens am 17.11.16 in Riedlingen…). Ich bekam den Hinweis, dass es schön gewesen wäre, wenn ich mehr von meinem eigenen Lebenshintergrund erzählt hätte. Warum ich so stark geworden bin. Ich gebe es zu, ich habe daran gedacht, aber ich rede darüber eher nur in kleinen Gruppen oder schreibe auszugsweise darüber. Wenn ich die schockierten Augen sehe, weil ich ein paar Details erzähle, dann bereue ich es meist, es überhaupt erwähnt zu haben. Ausserdem halte ich mich aus Rücksicht auf beteiligte Personen zurück. Und stochere nicht gern in den negativen Dingen herum. Diese sind aufgearbeitet und abgeschlossen.

Es fühlt sich viel besser an, die positiven Dinge in den Fokus zu rücken und dankbar zu sein. Zum Beispiel dafür, dass ich (wieder) gesund sein darf. Dass ich verzeihen kann. Auch mir selber, für Fehler, die ich erst heute als solche erkenne. Dass ich 2 Kinder haben darf. Dass wir ein schönes Zuhause bewohnen dürfen, keinen Hunger haben müssen etc.. Ich könnte mehrere Seiten (auch für die Vergangenheit) an Anlässen für Dankbarkeit füllen…. Dass ich heute dank meinem persönlichen und beruflichen Hintergrund Menschen aus Lebenskrisen helfen kann, die teilweise anfangs in erschreckend instabilem Zustand sind. Und so wunderbare Fortschritte machen, dass ich dankbar und glücklich mit ihnen bin. Dankbar bin ich auch, dass ich mir Resilienz erworben habe…

Wie sagt der unbekannte Verfasser so schön? „Wenn Dich das Leben umhaut, dann kippe um und schaue in die Sterne“

Wenn Dich das Leben umhaut, dann kippe um und schaue in die Sterne.

Ich gebe es zu, bei der Fehl-Diagnose meiner Immunerkrankung habe ich mich innerlich aufgebäumt. Berufsunfähig zur Dialyse müssen? Wie sollte das alleinerziehend mit 2 Kindern gehen? Das sollte meine Zukunft sein? Unmöglich ! Das konnte und durfte nicht sein! Ich kam ins Handeln und vertraute der Spezialambulanz, zu der ich seit Monaten extra immer wieder eine Tagesreise unternahm und von der ich nur großflächig Cortison bekam, nicht mehr. Fand stattdessen eine Alternativklinik, die mir top half… Bin ich heute froh, dass ich nicht einsah, meinen Körper mit solch massiven Medikamenten zu zerstören… !

Das kannst auch DU…

Seit ich das Positive bewusst suche, finde ich  viel mehr Anlässe für Dankbarkeit und Freude. Gestern kam zu uns Besuch aus Japan und Frankreich. Musiker, die an einem Opernprojekt mit Flüchtlingen teilnehmen. Wunderbare sympathische Menschen mit sehr interessantem Hintergrund wurden uns zugeteilt. Dankbar für jede Kleinigkeit unserer Gastfreundschaft.

Oder heute: Ich war  mit meinen Kindern bei bombastischem Sonnenschein im Herbstwald. Wir wollten unser Zuhause herbstlich dekorieren. Meine Kinder und ich waren begeistert, welche herrliche Blicke sich uns im Herbst und Sonnenschein boten und wieviel essbare Pilze wir ungeplant fanden, eine schöne Bank in der Sonne und unendlich viele Fotomotive… Sagst Du jetzt, was sind das für Kleinigkeiten?

Ich frage Dich: Wie soll ich mich über große Dinge freuen, wenn ich mich nicht mal über kleine Dinge freuen kann???

Welchen ideellen Wert gebe ich den Dingen, die mir im Leben begegnen?

Wie hoch setze ich meine Ansprüche? Bevor ich etwas für Wert halte, mich darüber zu freuen? Dankbar zu sein?

Ich denke, Lebenszufriedenheit oder Glück hat auch mit der eigenen Lebenseinstellung zu tun.

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Wie auch ein Spruch sagt: Glück findest Du nicht im Aussen, sondern im Innen.

Warum bin ich früher so zusammengebrochen? Weil ich mein Glück von der Liebe eines Partners abhängig gemacht habe. Das passiert mir nicht mehr. Natürlich auch wegen meiner erworbenen Resilienz. Und viel mehr Vertrauen in die Zukunft. In Gott. Vertrauen darauf, dass ich Wegbegleitern begegne, die mich weiterbringen (wofür ich auch schon sehr dankbar bin) und das Gute und Schöne, dass in der Zukunft auf mich wartet. Es wartet auf mich und auf Dich. Es liegt an mir und an Dir, es  kommen zu lassen. Ich bin nicht mit Beziehungen, reichen Eltern, großzügigen Unterstützern und Gönnern, chancenreichen Angeboten etc. gesegnet… Und trotzdem vertraue ich in meine Fähigkeiten und glaube an meine Ziele und Visionen….

Nicht nur im Tief, sondern auch im Hoch erwirbt man Resilienz!

Das bezieht sich auf Dinge, die man erreicht hat und auf die man mega stolz ist. Egal, ob die bestandene Führerschein- oder Heilpraktikerprüfung, einen vorderen Platz beim Marathon, 30kg Gewichtsabnahme, eine totale Aufgabe des alten Lebens und kompletter Neustart, die Geburt eines Kindes, die Genesung von einer schweren Krankheit, das Weiterleben nach dem Verlust eines geliebten Menschen…
Auf welche Dinge bist Du stolz, die Du erreicht hast??? Wie hat sich das angefühlt? In Körper, Geist und Seele? Mache eine Auflistung. Nichts ist zu klein. Mindestens eine DinA4 Seite kannst Du füllen. Du wirst staunen, wenn Du Deinen Fokus auf Deine Fähigkeiten richtest, wieviel da zusammen kommt. Wenn es Dir schwerfällt, dann frage Dir wohlgesonnene Menschen in Deinem Umfeld.

Wenn Du auch von Aussenstehenden Deine eigenen Stärken nicht annehmen kannst, dann solltest Du überlegen, professionelle Hilfe zu suchen.

Ich möchte mich mit der Aufgabe von Dir für heute verabschieden, dass Du heute vor dem schlafen mindestens 3 Dinge aufschreibst, für die Du heute dankbar bist. Und beobachte, wie Du dann einschläfst und wieder aufwachst…

Deine Judith Becherle

Fotoquellen: JAP Fotografie, Pixabay